Dienstag, 25. September 2012

Der Böse Blick, das magische Auge und Michael Jacksons Griff in den Schritt

Der böse Blick verbindet Dracula mit Sigmund Freud auf vielen Ebenen, wie so viele andere Elemente, an denen ich derzeit arbeite. Dracula hat einen hypnotischen Blick, er mesmerisiert Männer und vor allem Frauen, wie wir vor aus frühen Vampirfilmen wissen. (Der einstige Superstar Mesmer ist einen eigenen Eintrag wert, hat er es doch geschafft, seinen Namen in der Sprache  - "mesmerisieren", auch engl. "mesmerise" -  zu hinterlassen.)
Bekanntlich hat die Psychoanalyse ihre Wurzeln in der Hypnose, Freud selbst arbeitete zuerst als Hypnotiseur, um ins Unbewusste vorzudringen, bevor er allein der Kraft der Rede der Patienten und der freien Assoziation - als einer Art Selbsthypnose - vertraute.
Im Zusammenhang mit der in meinem Knoblauch-Post erwähnten uralten Idee, Gleiches mit Gleichem (oder zumindest Ähnlichem) zu bekämpfen, ist es "logisch", dass die Amulette gegen den bösen Blick - naturgemäß - wie Augen aussehen.
Die Psychoanalyse hat sich immer für Augen (z.B. Freud, wenn er über den Sandmann schreibt) und für die Angst vor dem bösen Blick, die als Kastrationsangst interpretiert wurde, interessiert. In der von Sigmund Freud herausgegebenen Zeitschrift IMAGO, dem offiziellen Organ(!) der psychoanalytischen  Vereinigung, hat der italienische Psychoanalytiker Emilio Servadio 1936 einen Artikel mit dem Titel "Die Angst vor dem bösen Blick" veröffentlicht, in dem er darauf hinweist, dass man/Mann sich im Süden  an die Hoden greift, wenn man meint, vom bösen Blick getroffen worden zu sein: "wenn es die äußeren Umstände irgendwie zulassen", wie Servadio schreibt.
Wenn er jemals als Zeitreisender bei einem Michael-Jackson-Konzert gewesen wäre, hätte er sich wohl gewundert, unter welchen Umständen man sich öffentlich, auf einer Bühne vor den Augen Tausender Zuseher "in den Schritt" greifen kann. Wenn es die Umstände jedoch ganz und gar nicht zulassen, wenn man kein Rock/Pop/Hip-Hop-Star ist, dann berührt man statt der eigenen Testikel "männliche" Gegenstände wie Schlüssel, Hörner, Elefanten mit aufgehobenem Rüssel (werden tatsächlich von Servadio erwähnt, so als hätte man das immer zur Hand) oder, wie Servadio ebenfalls schreibt, Eckzähne, - womit wir wieder bei Dracula, dem Knoblauch und dem Pfahl wären. Draculas Eckzähnen (= den symbolischen Vertretern seiner Hoden) halten wir den Knoblauch und den Pfahl entgegen: Zeichen gegen Zeichen, weiße Magie gegen Mesmerismus.

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