Donnerstag, 11. Oktober 2012

Verkehr im Rotlichtviertel: Freud und die Verkehrsampel


Mein heutiger Tagebuch/Nachtbucheintrag über rote Verkehrsampeln schließt an meinen beiden auto – ich verspreche, das Wortspiel hier zum letzten Mal zu nutzen - biographischen Posts über Opel und BMW an. Mein letzter Eintrag hat mit dem Hinweis geendet, wie schwierig es sei, nicht an Opel-Blitz-Krieg und BMW-Flugzeugpropeller zu denken, wenn man Autos dieser Marken sieht und dazu die (wenn auch möglicherweise historisch nicht belegbaren) Mythen kennt. Nach dem Motto: denken Sie nicht an einen rosa Elefanten! 
Infolge der in den nächsten Tagen kommenden Posts werden Sie vermutlich rote Verkehrsampeln mit anderen Augen betrachten, so wie man sich nie wieder mit ruhigem Gefühl unter die Dusche stellen kann, wenn man einmal Hitchcocks Psycho gesehen und gehört(!) hat.

Die „Sprache“ der Verkehrsampel ist einfach, das Repertoire beschränkt; in Signalfarben leuchtende Scheiben und dazu ein simpler Code: Grün = GO!, Rot  = STOP! Das zusätzliche Gelb sowie das grüne Blinken tragen nur der Tatsache Rechnung, dass wir uns bewegen und unser Rektionsvermögen (vor allem der Brems- bzw. Gasfuß, -  auch des Hintermannes) eine Vorwarnung braucht. 
Dass uns die Rot=STOP-Regel so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist, dass wir sie fast schon für natürlich halten, kann Semiotiker nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Beziehung zwischen einer roten Ampel und der Bedeutung STOP eine kulturelle Übereinkunft ist, auch wenn es gute Gründe psychologischer und physiologischer Natur für diese Konvention geben kann, auf die ich noch eingehen werde. Theoretisch hätte man sich auch darauf einigen können, dass die grüne Scheibe STOP und die rote Scheibe GO bedeutet, - schließlich fährt man in manchen Ländern auf der linken Straßenseite anstatt auf der rechten.

Niemand könnte uns daran hindern, auf unseren Privatgrundstücken eigene Verkehrsampeln und die Regel aufzustellen, dass Rot – VORWÄRTS bedeutet. „Vorwärts, und nicht vergessen, / worin uns're Stärke besteht! / Beim Hungern und beim Essen,/ vorwärts und nicht vergessen / die Solidarität!“ heißt es beim Roten Bertolt Brecht; der Vorwärts-Verlag war der Verlag der Österreichschen Roten. Ausgehend von einer roten Verkehrsampel kommt man schnell zur Politik, dieser Weg wird uns bis zur Roten (was denn sonst) Armee Fraktion und zu Mao führen. Auch dazu später.

Lassen wir zuerst den Assoziationen freien Lauf, Anlass dafür geben wieder Wortspielereien: während man in England mit coolem Understatement traffic light (nicht zu verwechseln mit light traffic) sagt, spürt man  bei den Franzosen Aufregung und Fahrfreude: Le feu rouge! Zum Feu rouge passt der/die/das Moulin Rouge (der Moulin wenn man nach dem Französischen le moulin vorgeht, die Moulin, wenn man an das Deutsche die Mühle denkt, das Moulin Rouge als Etablissement) und so wird jede Kreuzung zum rhythmisch pulsierenden Rotlicht-Bezirk. Durch diese Wortmontage bekommt das Wort Kreuzung rückwirkend einen biologischen Sinn, das Wort Verkehr ist immer sexuell aufgeladen, Kreisverkehr so-wie-so. Kreisverkehr im Rotlichtviertel?
Vielleicht sind diese Spiele nur in der Sprache Freuds möglich: was ist schon eine Rush Hour gegen den Stau in der Stoßzeit, - auch wenn Paul McCartney schon 1968 auf dem White Album der Beatles immer wieder flehte: 
Why don’t we do it in the road? 
Why don’t we do it in the road? 
Why don’t we do it in the road? 

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