Montag, 22. Oktober 2012

Eins, zwei, drei im Sauseschritt


Uhren sind Zeichen der Zeit; die Schatten der Sonnenuhr, die Zeiger/das Ziffernblatt analoger Uhren, die Zahlen der Digitaluhr und die Kirchturmglocken (wer die Macht hat, darf Lärm machen) „sagen“ uns auf unterschiedliche Weise, wie spät es ist. 
In den folgenden Posts werde ich von der Eieruhr über die Kuckucks-Uhr bis zur (gefälschten) Rolex einen semiotischen Blick auf die Zeitmesser und Taktgeber werfen.
Wenn man die klassische Peirce’sche Dreiteilung von Zeichen nützt, kann man die verschiedenen Uhren als a) primär indexikalische (direkte Spuren legende), b) primär ikonische (der Realität ähnliche, analoge) oder c) symbolische (konventionelle) Zeit-Zeichen-Maschinen klassifizieren; oft sind all drei semiotischen Elemente in/auf einer Uhr vereint.

Beginnen wir mit der ältesten Uhr der Welt. Jede Sonnenuhr ist ihrem Prinzip nach eine indexikalische Uhr, bei der ein Stab einen Schatten wirft, der anzeigt, wie spät es ist: right here/right now.
Schon in archaischen Gesellschaften hat man versucht, die Zeit durch die Länge und die Position eines Schattens (z.B. des eigenen Körpers) zu bestimmen. Der zeichengebende / schattenwerfende Stab einer Sonnenuhr gibt die wahre Ortszeit / wahre Sonnenzeit auf einem Zeitbogen an. So kombinieren Sonnenuhren den indexikalischen Schatten (als Vorläufer des Zeigers) mit einem ikonischen Himmelsbogen, der den scheinbaren Weg der Sonne, den Tagbogen, über das Firmament abbildet.

Wenn der Schatten in die Mitte des Bogens fällt, steht die Sonne für diesen Tag am höchsten Punkt: dann ist Mitt-Tag, high noon, Zwölf Uhr, wie man in der symbolischen Zeitmesser-Welt sagt.
Der Zeigestab, giechisch polus (vgl. eng. Pole) ist ein sturer Schattenwerfer, der keine Zeitzonen kennt, sich nicht nach den gesetzlichen Vorschriften für Sommer- oder Winterzeit richtet und nur für die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang taugt – und auch das nur, wenn die Sonne „scheint“. Die Sonne scheint zwar immer, es scheint nur so als schiene sie nicht immer, dafür bewegt sie sich nicht – es scheint nur so, als bewege sie sich - auch auf der Sonnenuhr.
Sonnenuhren zeigen nur dann die Zeit "richtig" an, man den Polstab auf die Erdachse (den Polarstern) ausgerichtet hat und wenn man seine Zeichen mithilfe eines Ziffernblattes richtig lesen lernt.
In unser Welt sind Sonnenuhren nur mehr als romantisches Element der Haus- und Gartengestaltung präsent, als Slowfood gegen die Hektik des Arbeitsalltags.

Im nächsten Post nehmen wir den Blick vom Firmament und beschäftigen uns mit der Uhr, die man(n) zur Firmung bekommt, - um im Arbeitsalltag zu bestehen.

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