Montag, 8. Oktober 2012

Entwurf eines neuen Da Vinci Codes


Während meine Generation der digital immigrants ihr Wissen früher aus Bibliotheken, Buchhandlungen und Gesprächen "zusammenstückeln" musste, bietet uns das Netz nun eine unendliches Reservoir an Geschichte und Geschichte(l)n. Meine beiden auto(=KfZ)-biographischen Reminiszenzen haben mir keine Ruhe gelassen, - und ich musste weiter googeln.

Wie im letzten Post erwähnt, war das Markenzeichen für Fahrzeuge der Firma Opel ursprünglich ein übereinander gelagertes A und O, nach den Initialen des Firmengründers Adam Opel; später kam ein allsehendes Auge, noch später der Opel-Blitz, das O, durch das ein Blitz saust.

Der Blitz im aktuellen Opel-Markenzeichen wäre ein gefundenes Fressen für "Meistersemiotiker" à la Robert Langdon (Da Vinci Code, The Lost Symbol), der bei jedem modernen Opel daran denken würde, dass der Opel Blitz, der seit 1930 gebaut wurde, der wichtigste Lastwagen der Deutschen Wehrmacht war. Für Langdon läge die kriegerische Verbindung Opel Blitz - Blitzkrieg auf der Hand, weil Opel schon lange vor dem nationalsozialistischen Regime z.B. Fahrräder der Marke „Victoria Blitz “ hergestellt hatte. Auch bei dieser frühen Opel-Marke ist von Victoria (= Sieg) die Rede.

Dan Brown könnte daraus einen Thriller machen, in dem Langdon weiter recherchiert und entdeckt, dass Opel sich erst im Jahre 1964 - nach dem Ende der Nazi-Herrschaft - für das aktuelle Blitz-Logo entschied. Jeder Opel trägt heute noch den Blitz.  Schon im 2. oder 3. Kapitel von Dan Browns Auto-Code-Thriller würde Langdon erkennen, dass dieser Blitz, wenn man ihn um 90° dreht, aussieht wie SS-Runen und schon wäre der Semiotiker im Dan-Brown-typischen Strudel von Politik, Geschichte und Verschwörungstheorien. "Hatte Opel wegen des Blitzes so lange das Image eines Altherren-Autos?" - würde Langdon sich fragen.
Dass ein frühes Opel-Logo ein allsehendes Auge war (Überwachungsstaat),  das ab 1935 von einem großen O ersetzt wurde, durch das ein Zeppelin als Symbol der Modernität und Reichweite fliegt, wird Langdons Phantasie noch stärker anregen, wenn er "kombiniert", dass wenig später, im Jahr 1937, der deutsche Zeppelin Hindenburg in den USA als spektakulärer Feuerball abstürzte. Bei dieser Katastrophe fanden 35 Menschen den Tod, kein anderes Unglück der zivilen Luftfahrt hatte jemals eine größere Publizität erreicht, was natürlich auch mit der für damalige Zeiten sensationellen media coverage zusammenhängt: es gab eine Radio-Lifereportage, die – wenn auch zeitversetzt gesendet – den Schrecken direkt in die Haushalte brachte, sowie Filmaufnahmen des Absturzes.

Die Frage, ob die Absturzursache ein Unglück oder Sabotoage war – und wenn, ein Terroranschlag, der von Nazis oder Kommunisten ausging, - ist bis heute umstritten. Zahlreiche Bücher, Dokumentar- und Spielfilme nahmen sich des Themas an, hier könnte Langdon endlich die Wahrheit ent-decke-n (vgl. dazu aus meinem früheren Post: der Detektiv nimmt das Dach bzw. die Decke vom Ort des Verbrechens ab).

Kommen wir zurück zum Zeppelin. Vor dem Opel-Blitz-Logo war ein Zeppelin durch das Opel-O geflogen, nach dem Hindenburg-Unglück war der Zeppelin ein "ausgestorbener Vogel". Langdon würde darauf hinweisen, dass Hitler persönlich anordnete, dass alle Zeppelin-Produktionsstätten abgerissen wurden. Verständlicherweise will kein Autobauer ein schlechtes Omen in seinem Markenzeichen haben und vermutlich begann man bei Opel deshalb, den Zeppelin immer mehr zu stilisieren, bis er zum Blitz wurde. Dass der Blitz wie eine nationalsozialistische Rune aussieht, liegt vielleicht im Auge des semiotisch ungeschulten Betrachters, der Blitz könnte genau so gut eine trotzige anti-nationalsozialistische Erinnerung an den - fast bis zur Unkenntlichkeit stilisierten - Zeppelin sein. 

Nur Robert Langdon kann die Wahrheit herausfinden; Dan Brown könnte daraus einen Bestseller machen.

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